Steuerberater in Österreich finden: Kosten und Auswahl
Einen Steuerberater in Österreich finden Sie am sichersten über das Mitgliederverzeichnis der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (KSW), das Honorar vereinbaren Sie frei mit der Kanzlei. Eine verbindliche Gebührenordnung wie in Deutschland gibt es nicht. Für die laufende Buchhaltung kommen auch Bilanzbuchhalter in Frage, Steuererklärungen und die Vertretung vor dem Finanzamt bleiben aber dem Steuerberater vorbehalten.
Welche Berufe es gibt und wer was darf
In Österreich teilen sich zwei Berufsgruppen die Arbeit rund um Buchhaltung und Steuern. Die Steuerberater sind im Wirtschaftstreuhandberufsgesetz 2017 (WTBG 2017) geregelt und Mitglieder der KSW. Bilanzbuchhalter, Buchhalter und Personalverrechner sind im Bilanzbuchhaltungsgesetz 2014 (BiBuG 2014) geregelt, zuständige Behörde ist die Wirtschaftskammer Österreich.
Laut § 2 WTBG 2017 dürfen Steuerberater in Abgabensachen beraten, die Buchhaltung samt Lohnverrechnung führen, Jahresabschlüsse erstellen und ihre Mandanten in Abgaben- und Finanzstrafverfahren vor den Abgabenbehörden und den Verwaltungsgerichten vertreten.
Die Befugnisse der Bilanzbuchhaltungsberufe sind enger. Nach §§ 2 bis 4 BiBuG 2014 gilt:
📊Wer darf was in Österreich
| Tätigkeit | Steuerberater | Bilanzbuchhalter | Buchhalter | Personalverrechner |
|---|---|---|---|---|
| Laufende Buchhaltung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung | ja | ja | ja | nein |
| Lohnverrechnung | ja | ja | nein | ja |
| Umsatzsteuervoranmeldung, Zusammenfassende Meldung | ja | ja | ja | nein |
| Jahresabschluss (Bilanz) | ja | nur bis zur Grenze kleiner Kapitalgesellschaften nach § 221 UGB | nein | nein |
| Einkommen-, Umsatz-, Körperschaftsteuererklärung | ja | nein | nein | nein |
| Vertretung vor Finanzamt und Bundesfinanzgericht | ja | nur bei UVA, ZM und Lohnabgaben | nur bei UVA und ZM | nur in der Lohnverrechnung |
Die Wirtschaftskammer stellt in ihren FAQ zum Berechtigungsumfang klar: Bilanzbuchhalter dürfen die Einkommensteuer-, Umsatzsteuer- und Körperschaftsteuererklärung weder erfassen noch abgeben. Erlaubt ist ihnen von den Jahreserklärungen nur die Arbeitnehmerveranlagung.
Für die Praxis heißt das: Wer nur eine saubere laufende Buchhaltung und die Lohnverrechnung braucht, kann das einem Bilanzbuchhalter übergeben. Die Jahreserklärungen, die Bilanz größerer Gesellschaften und jede Auseinandersetzung mit dem Finanzamt, etwa bei einer Betriebsprüfung, gehören zum Steuerberater. Viele Unternehmen kombinieren beides.
Was ein Steuerberater kostet
Für Steuerberater gibt es in Österreich keinen gesetzlichen Tarif. Die Allgemeinen Auftragsbedingungen für Wirtschaftstreuhandberufe, die die KSW ihren Mitgliedern als Muster empfiehlt, halten fest: Höhe und Art des Honorars ergeben sich aus der Vereinbarung zwischen Kanzlei und Mandant. Wurde keine Unentgeltlichkeit vereinbart, ist nach §§ 1004 und 1152 ABGB jedenfalls eine angemessene Entlohnung geschuldet. Honorarschätzungen sind laut diesen Bedingungen unverbindlich, die kleinste verrechenbare Einheit ist eine Viertelstunde.
Seriöse Durchschnittspreise veröffentlicht keine offizielle Stelle. Statt Zahlen aus dem Internet zu übernehmen, lohnt es sich zu verstehen, woraus sich der Preis zusammensetzt:
- Gewinnermittlungsart. Einzelunternehmen und Personengesellschaften dürfen unter 700.000 Euro Umsatz in der Regel eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung führen. Wird diese Grenze zweimal hintereinander überschritten, folgt nach einem Pufferjahr die Pflicht zur doppelten Buchhaltung, bei mehr als 1 Million Euro schon ab dem Folgejahr. Kapitalgesellschaften buchen immer doppelt (USP: Buchführungspflicht). Eine Bilanz macht mehr Arbeit als eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.
- Belegmenge. Hundert Belege im Monat kosten mehr Zeit als zwanzig, besonders wenn sie einzeln nachgefragt werden müssen.
- Lohnverrechnung. Jede Dienstnehmerin und jeder Dienstnehmer bedeutet monatliche Abrechnung und Meldungen.
- Umsatzsteuer. Monatliche oder vierteljährliche Voranmeldungen, Auslandsgeschäfte mit Zusammenfassender Meldung oder OSS.
- Ordnung der Unterlagen. Vollständige, lesbare und rechtzeitig gelieferte Belege sparen der Kanzlei Stunden. Fehlende Rechnungen und ein Schuhkarton im Jänner kosten Geld.
- Zusatzleistungen. Beratung zu Rechtsform, Förderungen, Betriebsprüfung oder Umgründung wird meist gesondert verrechnet.
Angebot schriftlich vereinbaren
Lassen Sie sich vor Beginn schriftlich bestätigen, was die Pauschale enthält und was nach Stunden verrechnet wird: laufende Buchhaltung, Voranmeldungen, Jahresabschluss, Steuererklärungen, Lohnverrechnung pro Person, Telefonate und Rückfragen. So vermeiden Sie Überraschungen bei der ersten Jahresrechnung.
Wie Sie die passende Kanzlei auswählen
📋In fünf Schritten zur passenden Beratung
- Bedarf klären – Einzelunternehmen mit Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, GmbH mit Bilanz, Dienstnehmer ja oder nein, Geschäfte im Ausland. Danach richtet sich, ob ein Bilanzbuchhalter reicht oder ein Steuerberater nötig ist.
- Befugnis prüfen – Steuerberater im Mitgliederverzeichnis der KSW, filterbar nach Bundesland, Ort und Befugnis. Bilanzbuchhalter, Buchhalter und Personalverrechner im Register der Bilanzbuchhaltungsbehörde. Ruhende Befugnisse sind dort gekennzeichnet.
- Branche und Erfahrung erfragen – Eine Kanzlei, die viele Gastronomiebetriebe, Ärztinnen oder Onlinehändler betreut, kennt die typischen Fragen Ihrer Branche.
- Arbeitsweise klären – Wie kommen die Belege in die Kanzlei, in welcher Form will sie die Daten, wie schnell antwortet sie, wer ist Ihre feste Ansprechperson?
- Honorar und Leistungsumfang festhalten – Pauschale oder Stundensatz, was ist inklusive, wie wird bei mehr Belegen abgerechnet.
Für die Suche nach Ort hilft auch unser Verzeichnis: Steuerberater und Buchhalter in Österreich mit eigenen Seiten etwa für Wien, Graz und Linz. Die Befugnis prüfen Sie danach im offiziellen Verzeichnis. Wer gerade gründet, kann laut KSW in ihren Landesstellen eine kostenlose Erstberatung für Gründerinnen und Gründer vereinbaren.
Was Sie zum ersten Gespräch mitbringen
- Gewerbeschein oder Firmenbuchauszug, Steuernummer und UID-Nummer
- letzte Steuerbescheide und, bei bestehenden Unternehmen, den letzten Jahresabschluss oder die letzte Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
- Umsatz und erwartete Entwicklung, Zahl der Dienstnehmer
- Bankkonten und Zahlungswege, etwa Kassa, Karte, Onlineshop
- eine Liste offener Fragen, etwa zur Kleinunternehmerregelung oder zum Firmenauto
Beispiel: Elektrotechnik in Graz
Ein Elektrotechniker in Graz, Einzelunternehmer mit zwei Dienstnehmern, erwartet rund 480.000 Euro Umsatz im Jahr. Er liegt unter 700.000 Euro und darf seinen Gewinn mit einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermitteln. Er braucht also laufende Buchhaltung, monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen, Lohnverrechnung für zwei Personen und die Einkommensteuer- und Umsatzsteuerjahreserklärung.
Er holt zwei Angebote ein: eines von einer Steuerberatungskanzlei, die alles übernimmt, und eines von einer Bilanzbuchhalterin für Buchhaltung und Lohnverrechnung, kombiniert mit einem Steuerberater nur für die Jahreserklärungen. Beide Varianten sind zulässig. Er vergleicht nicht nur den Preis, sondern auch, was in der Pauschale steckt, wie die Belege übergeben werden und wer bei einer Prüfung durch das Finanzamt für ihn auftritt. Das kann im zweiten Modell nur der Steuerberater.
Gute Zusammenarbeit: Belege laufend statt einmal im Jahr
Der größte Hebel für niedrigere Kosten liegt beim Unternehmen selbst. Laut den Auftragsbedingungen der KSW darf die Kanzlei die übergebenen Unterlagen als richtig und vollständig ansehen, Sie müssen sie rechtzeitig und vollständig liefern. Belege sind in Österreich nach § 132 BAO grundsätzlich sieben Jahre aufzubewahren. Wer jeden Beleg gleich nach dem Einkauf erfasst, erspart sich die Suche am Monatsende und der Kanzlei die Rückfragen.
Kontevia ist dafür gebaut und derzeit im Early Access. Sie schicken einen Beleg als Foto per WhatsApp oder eine PDF-Rechnung per E-Mail, Betrag, Datum, Lieferant und Umsatzsteuer werden ausgelesen, der Beleg wird kategorisiert und auf Duplikate geprüft. Ihre Steuerberatung bekommt einen fertigen Export statt eines Ordners voller Papier. Mehr unter Belege per Chat und Duplikaterkennung. Wie Sie Tankbelege richtig zuordnen, lesen Sie im Artikel Treibstoffkonto im EKR.
Offizielle Quellen
- RIS: Wirtschaftstreuhandberufsgesetz 2017, § 2 Berechtigungsumfang Steuerberater
- RIS: Bilanzbuchhaltungsgesetz 2014
- KSW: Mitgliederverzeichnis der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
- WKO: Register der Bilanzbuchhaltungsbehörde
- WKO: FAQ zum Berechtigungsumfang nach BiBuG
- USP: Buchführungspflicht und Buchführung
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Steuerberatung. Alle Angaben entsprechen dem Stand vom 12. Oktober 2026.
Häufig gestellte Fragen
- Was kostet ein Steuerberater in Österreich?
- Einen gesetzlichen Tarif gibt es nicht. Höhe und Art des Honorars werden zwischen Kanzlei und Mandant vereinbart, üblich sind Stundensätze oder Pauschalen. Ist nichts vereinbart, schuldet der Auftraggeber nach ABGB ein angemessenes Entgelt. Der Preis hängt vor allem von Belegmenge, Gewinnermittlungsart, Lohnverrechnung und Ordnung der Unterlagen ab.
- Was ist der Unterschied zwischen Steuerberater und Bilanzbuchhalter?
- Der Steuerberater darf laut WTBG 2017 umfassend steuerlich beraten, Jahresabschlüsse erstellen und vor Finanzamt und Verwaltungsgerichten vertreten. Der Bilanzbuchhalter führt laut BiBuG 2014 Buchhaltung und Lohnverrechnung, erstellt Bilanzen nur bis zur Grenze kleiner Kapitalgesellschaften und darf Einkommen-, Umsatz- und Körperschaftsteuererklärungen nicht abgeben.
- Wie prüfe ich, ob ein Steuerberater zugelassen ist?
- Im Mitgliederverzeichnis der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (KSW) unter ksw.or.at. Dort lässt sich nach Ort und Befugnis filtern. Bilanzbuchhalter, Buchhalter und Personalverrechner stehen im Register der Bilanzbuchhaltungsbehörde bei der Wirtschaftskammer.
- Gibt es eine kostenlose Erstberatung beim Steuerberater?
- Die KSW bietet Gründerinnen und Gründern eine kostenlose Erstberatung in ihren Landesstellen an, nach vorheriger Terminvereinbarung. Ob eine einzelne Kanzlei das Erstgespräch verrechnet, ist ihre Entscheidung. Fragen Sie vorher nach.
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