E-Rechnung Italien: SdI und FatturaPA für deutsche Firmen

Von Kontevia Team5 Min. Lesezeit
Teilen:

Italien wickelt seit 2019 jede inländische B2B-Rechnung über das staatliche System SdI ab, im XML-Format FatturaPA. Ein deutsches Unternehmen ohne Sitz oder Niederlassung in Italien muss SdI nicht nutzen, auch nicht mit italienischer USt-Registrierung. Eine italienische Tochtergesellschaft dagegen schon. Und Rechnungen italienischer Lieferanten kommen weiter als PDF-Kopie, während die Daten über SdI laufen.

SdI ist eine Clearance-Plattform

Ein italienisches Unternehmen schickt die Rechnung nicht direkt an den Kunden, sondern an SdI. Das System prüft die Datei, registriert sie und leitet sie an den Empfänger weiter. Lehnt SdI sie ab, existiert keine Rechnung. Weil SdI jede Rechnung sieht, kennt die Steuerverwaltung die meisten Daten für die Umsatzsteuer schon im Voraus; Prüfungen beginnen bei Abweichungen zwischen SdI-Daten und Erklärung.

Die technischen Regeln veröffentlicht die Agenzia delle Entrate, die Formatdokumentation steht auf dem FatturaPA-Portal. Deutschland geht den entgegengesetzten Weg: keine Plattform, Rechnungen gehen direkt zum Kunden, wie im Artikel E-Rechnungspflicht 2025, 2027, 2028 beschrieben.

Wann deutsche Unternehmen betroffen sind

📊SdI aus Sicht eines deutschen Unternehmens

SituationÜber SdI?Was Sie tun
Lieferung aus Deutschland an italienische FirmaNeinDeutsche Rechnung, steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung oder Reverse Charge
Nur umsatzsteuerlich in Italien registriertGrundsätzlich neinFreiwillige Nutzung möglich, Status mit Beratung klären
Italienische Tochter (srl) oder NiederlassungJaFatturaPA über SdI für alle Rechnungen
Einkauf bei italienischem LieferantenLieferant jaSie erhalten eine PDF-Kopie, buchen wie jede EU-Rechnung
Verkauf an Privatkunden in Italien aus DeutschlandNeinÜber das OSS-Verfahren mit italienischem Steuersatz

Die Unterscheidung zwischen „identifiziert“ und „ansässig“ ist entscheidend. Eine Registrierung in Italien über einen Fiskalvertreter oder direkte Identifizierung macht Sie nach Auffassung der Agenzia delle Entrate nicht zum Ansässigen. Eine feste Niederlassung oder Tochtergesellschaft schon. Ob Ihre Struktur eine Niederlassung begründet, ist eine Tatsachenfrage für die Steuerberatung.

Ihr italienischer Kunde meldet Ihre Rechnung selbst

Auch wenn Sie SdI nicht nutzen, landen Ihre Daten dort. Seit Juli 2022 melden italienische Unternehmen ihre Einkäufe im Ausland über SdI, statt wie früher über eine periodische Liste (esterometro). Dafür erstellt der Kunde ein Integrations- oder Eigenbelegdokument:

  • TD17 für Dienstleistungen aus dem Ausland,
  • TD18 für innergemeinschaftliche Erwerbe von Waren,
  • TD19 für Waren, die sich bei Verkauf bereits in Italien befinden.

Für Sie heißt das: Ihre Rechnung muss sauber sein. Die USt-IdNr. des Kunden muss stimmen, Rechnungsnummer und Datum müssen eindeutig sein, sonst passen die Meldungen des Kunden nicht zu Ihren Daten. Prüfen Sie die Nummer vor der ersten Rechnung mit dem USt-IdNr.-Check.

Das Format FatturaPA

FatturaPA ist ein italienisches XML-Schema, älter als die europäische Norm EN 16931. XRechnung oder Peppol akzeptiert SdI für Inlandsrechnungen nicht. Für eine italienische Tochter sind vier Punkte wichtig:

  • Empfängeradresse. Jedes italienische Unternehmen hat einen siebenstelligen Codice Destinatario oder eine zertifizierte PEC-Adresse. Für ausländische Kunden lautet der Code XXXXXXX.
  • Dokumenttypen und Nature-Codes. Feste Codelisten bestimmen Rechnung, Gutschrift oder Eigenbeleg und begründen, warum eine Position ohne Steuer ist.
  • Kennungen. Partita IVA des Verkäufers ist Pflicht, bei Privatpersonen der Codice Fiscale.
  • Steuersätze. 22 Prozent Regelsatz, ermäßigt 10, 5 und 4 Prozent; steuerfreie Positionen tragen einen Nature-Code statt eines Satzes.

Beispiel: Maschinenbauer aus Augsburg

Ein Maschinenbauer in Augsburg hat eine Vertriebstochter in Bergamo. Die srl stellt einem italienischen Kunden 1.000 Euro plus 22 Prozent Umsatzsteuer in Rechnung, also 1.220 Euro. Die Datei geht mit dem Codice Destinatario des Kunden an SdI und gilt als ausgestellt, wenn SdI sie annimmt.

Berechnet die Mutter in Augsburg der srl monatlich 3.000 Euro für Verwaltungsleistungen, schreibt sie eine deutsche Rechnung ohne Umsatzsteuer mit Hinweis auf die Steuerschuldnerschaft des Empfängers. Die srl übermittelt dazu ein TD17-Dokument an SdI. Liefert die Mutter eine Maschine direkt aus Augsburg an einen Kunden in Turin, braucht sie selbst kein SdI. Der Kunde meldet den Erwerb per TD18.

📋Eine italienische Tochter für SdI einrichten

  1. Rechnungswerkzeug wählen – Ein Konzern-ERP erzeugt meist UBL, nicht FatturaPA. Nötig sind ein italienisches Modul, ein Dienstleister, der umwandelt und übermittelt, oder eine lokale Lösung.
  2. Digitale Identität besorgen – Zugänge und Vollmachten für das Portal der Agenzia delle Entrate brauchen italienische Zugangsdaten. Für einen Geschäftsführer mit Wohnsitz in Deutschland dauert das.
  3. Pünktlich fakturieren – Die Rechnung existiert erst mit Annahme durch SdI. Sammelfakturierung am Monatsende kann in den falschen Zeitraum rutschen.
  4. Archiv planen – E-Rechnungen müssen in einem konformen digitalen Archiv aufbewahrt werden. Die Agenzia delle Entrate bietet dafür einen kostenlosen Dienst an.
  5. Konzernverrechnung abstimmen – Wer stellt wann welche Rechnung, und wer erstellt die TD17- oder TD18-Dokumente?
ℹ️

Österreichische Leser

Für Unternehmen aus Österreich gilt dasselbe wie für deutsche: ohne Ansässigkeit in Italien keine SdI-Pflicht, mit srl oder Niederlassung volle Pflicht. Viele Südtiroler Kunden kommunizieren auf Deutsch, die Rechnung über SdI bleibt trotzdem eine FatturaPA.

Wohin Italien steuert

SdI bleibt. Mit ViDA beginnt im Juli 2030 die digitale Meldung für EU-Lieferungen, bis 2035 müssen nationale Systeme mit dem EU-Standard kompatibel sein. Ein Werkzeug, das FatturaPA und EN 16931 versteht, ist für beide Seiten gerüstet.

Wie Kontevia hilft

Kontevia ist im Early Access und für SdI vorbereitet: Für Unternehmen in Italien sind Rechnungen in der FatturaPA-Struktur mit italienischen Dokumenttypen und Nature-Codes angelegt, eingehende FatturaPA-Dateien werden aus den strukturierten Daten verbucht. Eine Live-Anbindung an SdI ist nicht für jeden Nutzer zugesagt. Im Tarif Professional führen Sie bis zu drei Länder in einem Konto, etwa die deutsche Mutter und die italienische srl mit eigenen Steuerregeln. Mehr unter E-Rechnung mit Kontevia.

Offizielle Quellen

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Steuerberatung. Alle Angaben entsprechen dem Stand vom 10. Oktober 2026.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich als deutsches Unternehmen Rechnungen an italienische Kunden über SdI schicken?
Nein, wenn Sie in Italien nicht ansässig sind. Die SdI-Pflicht gilt für in Italien ansässige oder niedergelassene Steuerpflichtige. Sie schreiben eine Rechnung nach deutschem Recht, der italienische Kunde meldet den Einkauf selbst über SdI.
Was gilt, wenn ich in Italien umsatzsteuerlich registriert bin?
Eine bloße umsatzsteuerliche Identifizierung in Italien, direkt oder über einen Fiskalvertreter, macht ein ausländisches Unternehmen nach Auffassung der Agenzia delle Entrate nicht zum Ansässigen. Eine SdI-Pflicht besteht dann grundsätzlich nicht, die freiwillige Nutzung ist möglich.
Gilt SdI für eine italienische Tochtergesellschaft?
Ja. Eine srl ist ein italienischer Steuerpflichtiger und stellt alle Inlandsrechnungen als FatturaPA über SdI aus, seit 2019. Auch Rechnungen an ausländische Kunden laufen dort über SdI, mit dem Empfängercode XXXXXXX.
Wie bekomme ich als deutscher Kunde eine italienische E-Rechnung?
Der italienische Lieferant übermittelt die Rechnung an SdI mit dem Code XXXXXXX und schickt Ihnen eine lesbare Kopie, meist als PDF, auf anderem Weg. Für Ihre Buchhaltung ist das eine normale EU-Eingangsrechnung.
Was ist der Unterschied zwischen SdI und FatturaPA?
FatturaPA ist das XML-Format der italienischen Rechnung. SdI (Sistema di Interscambio) ist die Plattform der Agenzia delle Entrate, die diese Dateien annimmt, prüft und weiterleitet.

Themen:E-Rechnung ItalienSdIFatturaPAfattura elettronicaitalienische TochtergesellschaftCodice Destinatario

Kontevia befindet sich im Early Access. Die hier beschriebenen länderspezifischen Regelungen spiegeln die Vorschriften des jeweiligen Staates wider, sind aber kein Versprechen, dass jede Funktion in Ihrem Land bereits verfügbar ist.

Buchhaltung, die mit den EU-Vorschriften Schritt hält

Senden Sie einen Beleg per Chat oder E-Mail, und Kontevia liest ihn aus, verbucht ihn nach den Regeln Ihres Landes und bereitet die Umsatzsteuer sowie den Export für Ihre Steuerberatung vor. Der Early Access ist offen.

Keine Installation
Alle 27 EU-Länder
Jederzeit kündbar

Ähnliche Artikel